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Materialkunde

Kaschmir. Die edelste Faser der Welt

Decke aus KaschmirDecke aus Kaschmir

Kaschmir wird aus dem feinen Unterhaar der Kaschmirziege gewonnen. Seinen Namen entlehnt das kostbare Naturmaterial aus der gleichnamigen geografischen Region im Grenzgebiet zwischen Indien, Pakistan und China, wo die Kaschmirziegen heimisch sind. Gegen die extreme Kälte und die Luftfeuchtigkeit schützen sich die Tiere mit einem Vlies aus langem, grobem Deckhaar – dem Grannenhaar – und dem darunterliegenden glatten, viel weicheren und wärmenden Flaumhaar. Je härter die Umweltbedingungen, desto feiner bildet sich das Flaumhaar aus. Kostbar ist es vor allem deshalb, weil ein Tier pro Jahr nur etwa 100 bis 200 Gramm dieses feinen Unterhaars liefert, das in Handarbeit sorgfältig ausgekämmt und ausgelesen wird. Danach wird es gründlich gereinigt und nach Farben – in unterschiedlichen Naturtönen von Dunkelbraun über Grau und Beige bis hin zum fast reinen Weiß – sortiert. Zu den Erzeugerländern zählen heute China und die Mongolei, Afghanistan, Iran, die Türkei und neuerdings auch Neuseeland, Australien und Schottland.

Die Eigenschaften von Kaschmir

Kaschmir gehört wie auch Alpaka-, Yak- und Kamelhaar zu den Edelhaaren. Dabei ist Kaschmir eine der weichsten, feinsten und leichtesten tierischen Fasern, aber auch eine der teuersten. Je nach Qualität kann ein Kilogramm Kaschmir-Rohware einen Marktwert von bis zu 200 Euro erzielen: je länger und feiner das Haar, je niedriger der Anteil an verbliebenem Grannenhaar und je heller die Farbe, desto höher der Preis. Warum es sich jedoch lohnt, in Textilien aus Kaschmir zu investieren, erläutern wir Ihnen im Folgenden:

  • Kaschmir ist ungemein hautfreundlich und kratzt nicht. Er fühlt sich auf der Haut noch weicher und glatter als Wolle an. Der Grund dafür ist die andersartige Schuppenstruktur der Faser. Die Schuppenkantenhöhe bei Edelhaaren ist im Vergleich zu Wollfasern nur halb so hoch.
  • Dank des geringen Eigengewichts des Flaumhaars sind Textilien aus Kaschmir federleicht und weich fließend. Gleichzeitig ist das Material ungemein wärmend. Kaschmir kann Wärme bis zu sechsmal besser speichern als Wolle.
  • Kaschmir ist atmungsaktiv. Die Faser kann bis zu einem Drittel ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und leitet diese schnell wieder nach außen ab. So sind Bekleidung und Decken aus Kaschmir oder Bettwaren mit Kaschmirfüllung ideale Begleiter für Sommer und Winter.
  • Kaschmir ist von Natur aus geruchs- und schmutzabweisend. Das Waschen der Kleidungsstücke ist also meist gar nicht notwendig. Sie können einfach an der frischen Luft ausgelüftet werden.
Qualitätskriterien

Es gibt vier Kriterien, anhand derer sich eine wirklich gute Kaschmirqualität erkennen lässt:

  • Die Faserlänge liegt in der Regel bei 15 bis 75 Millimetern, die Faserfeinheit bei Durchmessern zwischen 14,5 und 19 Mikrometern. Dabei gilt: Je länger und feiner die Faser, umso wertvoller ist sie.
  • Die Reinheit von Kaschmir bemisst sich nach dem Anteil an Grannen, also den Deckhaaren, die trotz sorgfältigster Reinigung noch im Flaum verbleiben. Bei den Spitzenqualitäten liegt dieser Anteil bei unter 0,5 Prozent, je nach Verwendungszweck kann der Grannenanteil jedoch auch bei bis zu zwei Prozent liegen.
  • Zuletzt: die Farbe. Höchste Preise erzielt naturweißer Kaschmir, der allerdings sehr rar ist, denn in den vielen Herden gibt es nur wenige helle – oder gar weiße – Ziegen. Mancher Produzent bleicht daher das bei weitem günstigere dunkelbraune Flaumhaar „schön weiß“, mit entsprechend negativen Konsequenzen für die Materialqualität. Dass ein Kaschmir naturbelassen ist, erkennt man an den kleinen Einsprengseln dunklerer Haare – kein Mangel, sondern ein Merkmal höchster Qualität.

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